Aus den Anfängen des Feuerlöschwesen
„Wohltätig ist des Feuers Macht,
wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
und was er bildet, was er schafft,
das dankt er dieser Himmelskraft;
doch furchtbar wird die Himmelskraft,
wenn sie der Fessel sich entrafft“.
wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
und was er bildet, was er schafft,
das dankt er dieser Himmelskraft;
doch furchtbar wird die Himmelskraft,
wenn sie der Fessel sich entrafft“.
(Lied von der Glocke von Schiller)
Die kolossale Furcht vor dem Feuer, wie sie in Schillers Glocke wieder spiegelt, ist dank heutiger Einrichtungen in Struktur und Hilfsmittel bedeutend zurückgegangen. Dennoch hat die Urgewalt des Feuers, die verheerende Wirkung bei ihrer Entfesselung an furchtbarer Kraft nicht verloren. Trotz modernster Löschtechnik spürt man Hilflosigkeit, wenn sich die zerstörerische Feuergewalt bei Wald- Hochhaus- oder Tunnelbränden entfaltet. Deshalb haben die Schillers Worte auch heute noch Bestand bei der Feuerentfesselung. Fast verständlich ist die ohnmächtige und panische Reaktion unserer Vorfahren bei Bränden in früheren Jahrhunderten. Verzweifelt versuchten die Menschen mit Feuerhaken und Löscheimern die verheerenden Brände in den Städten und auf dem „platten Land“ zu bekämpfen. In langen Eimerketten wurde das Löschwasser zum Brandherd geschafft, doch meistens war der Kampf vergeben.
Verheerende Brände im vorigen Jahrhundert
Ganze Städte und Dörfer wurden teilweise ein Raub der Flammen. Beispielhaft waren die verheerenden Brände in der heutigen Gemeinde Welver im vorigen Jahrhundert. So drohte Stocklarn am 2. Oktober 1823 eine Brandkatastrophe, als der Hof Juchhoff in Flammen aufging und Feuer auf die angrenzenden strohgedeckten Häuser überschlug. Am 25. Januar 1825 wurde der Hof Rohe und mehrere Gebäude in Borgeln mit allem Inventar eingeäschert. Den Bewohnern blieb nur das nackte Leben.
In Klotingen entstand am 21. April 1826 auf dem Hof Evers ein Schadenfeuer, das sich rasend ausbreitete und fünf Häuser vernichtete. Und schließlich war es Brandstiftung als im Jahre 1859 ein großer Teil des Dorfes Schwefe eingeäschert wurde. Bei vielen Großbränden in der Niederbörde leisteten die Bürger aus Meyerich mit ihrer „Sprütze“ rasche Hilfe. Doch die Hilfe beschränkte sich meistens auf retten und bergen von Hab und Gut.
Verpflichtung zur Brandbekämpfung
In Erkenntnis eine wirksamere Brandbekämpfung durchzuführen, wurden viele Gesetze und Verordnungen erlassen. Jeder zwischen 18 und 60 Jahren wurde durch Androhung von drakonischen Strafen verpflichtet bei Brandausbruch diesen zu melden und Hilfe zuleisten. Durch Eid wurden 1566 die Kirchturmwächter der Stadt Soest verpflichtet, bei Bränden in der Soester Börde dreimal mit dem Horn zu blasen und vom Turm herunterzurufen. Der Soester rat verpflichtete 1567 in einer Feuerschutzordnung alle Kirchspiele und Klöster in der Börde sich mit ledernen Eimern, Feuerhaken und Leitern auszurüsten.
Nach dem 30 jährigen Krieg regelte eine neue Brandordnung von 1650 durch den Soester Rat erlassen die zu treffenden Brandmaßnahmen. Jeder wurde verpflichtet einen ledernen Eimer, jedes Kirchspiel zwei Leitern und drei Wasserfässer, in denen die Spritzen gestellt wurden, anzuschaffen. Viele Feuerschutzverordnungen folgten. Der preußische König erließ 1717 eine Brandordnung mit 37 Paragraphen zu vorbeugenden Brandschutz, Ernennung von Brandmeistern und befahl, dass sich auch Männerklöster mit starken Männern an der Löschung von Bränden beteiligen sollten. Brände vernichten nicht nur Materielles, sondern auch Existenzen.
Die familiäre Katastrophe folgte meist postwendend. Schon früh wurde der zwingende Handlungsbedarf erkannt, die ersten Feuerversicherungen etablierten sich um 1706. Feuer als dämonische Kraft, von bösen Geistern entfacht beherrschte noch im 18 Jahrhundert viele abergläubische Köpfe. Man glaubte das Feuer durch Umreiten beschwören zu können. Auch noch als am 30. November 1755 die Königlich Preußische Feuer-Ordnung auf dem „platten Land“ im Herzogtum Cleve und Grafschaft Mark erlassen worden war. Sie behandelte nicht nur Feuerverhütung und Bekämpfung, sondern auch, wie nach einem entstandenen Brand zu verfahren sei und am Schluß eine merkwürdige Aufforderung, die Vertilgung der Sperlinge.
Erste Brandversicherungen werden abgeschlossen
11 Jahre später 1766 erfolgte endlich für die Börde ein Feuersozietätsreglement mit 30 Paragraphen. Hierdrin wurde u.a. jedes Dorf zur Wahl von drei Brandmeistern verpflichtet. Weitere Verordnungen folgten. Einen besonderen Verfechter für einen geordneten Brandschutz war um 1820 der Bürgermeister des Amtes Schwefe Arnold Smiths auf Haus Meyerich, später sein Sohn Ehrenamtmann Wilhelm Smiths und der Schwefer Pastor Boden. Sie setzten die Anschaffung neuer Feuerspritzen und die Gliederung von Spritzenbezirken durch. Entscheidend für den Feuerschutz und deren Absicherung war schließlich die Zusammenlegung von mehreren Feuersozietäten.
Am 5. Januar 1836 entstand aus dem Verbund die Westfälische Provinzial-Feuersozietät. Mit diesem Zusammenschluß wurde eine neue Epoche eingeleitet. Am 30. November 1841 erfolgte endlich eine einheitliche Feuerpolizeiordnung mit 108 Paragraphen für die Provinz Westfalen. Der bisherige Brandparagraphenwirrwarr wurde geregelt, unterschiedliche Feuerschutzordnungen beseitigt.
Die Gründung von Brandwehren wird beschlossen
Auf der Grundlage der Verordnung beschloss der Landrat des Kreises Soest am 4.September 1943 Abweichungen von der Provinzialordnung. Neben der Benennung eines Spritzenmeisters, seinem Stellvertreter, auch die namentliche Benennung der Mannschaft. Leider fehlen heute diese Unterlagen. Die Ausstattung des Spritzenhauses mit Löschgeräten sollte „wohlbewahrt“ stattfinden und kontrolliert werden. Das Probieren der Geräte, die Einweisung und das zweimalige Üben erfolgte in den Monaten März bis September. Die Feuerpolizei-Ordnung bestimmte auch die Bildung von Spritzenbezirke. Für die Gemeinden Meyerich und Welver wurden diese wegen einer fehlenden Spritze erst später geregelt.
Gemeinde Welver berät über die Anschaffung einer Feuerspritze
Am 22. November 1844 entwickelte sich im Gemeindeparlament Welver eine heftige Diskussion über die Verteilung der Kosten für die Anschaffung einer neuen Spritze. Die Gemeindevertreter wollten eine Kostenteilung zwischen der Gemeinde und dem Fiskus (Staat) erreichen, da das Pfarrhaus, Schule und Kirche den Wert des ganzen übrigen Teiles der Ortschaft überschritt, argumentierten die Gemeindevertreter. Schon beim Wegebau habe sich der Fiskus einer Kostenbeteiligung entzogen. Der Amtmann wurde um Unterstützung der Anträge gebeten, zumal sich die Welveraner Eingesessenen durch Handarbeit ernährten. Die Beratungen dauerten über ein Jahr.
Am 4. Dezember 1845 beschloss die Gemeindeversammlung die Anfertigung einer Spritze zum Preis von 135 Taler durch den „Hauptschläger“ Friedrich Gottschalk, Soest. Die Spritze sollte nach dem Muster der für die Gemeinde Herringsen angefertigte, nachgebaut und später vom Amtmann Smiths abgenommen werden. Ob sich der Fiskus an den Kosten beteiligte, bedarf weiterer Forschungen. Die Vermutungen sprechen dafür, denn die Feuerspritzen der damaligen Zeit waren doppelt so teuer.
Der erste namentlich bekannte Spritzenmeister war der Drechselmeister Wilhelm Schütter der am 20.April 1847 von den Gemeindevertretern gewählt wurde. Seine Jahresbezüge wurden mit 15 Silbergroschen festgelegt. Genaue Anweisungen über seine Aufgaben sollte der „Feuerwehrexperte“ Amtmann Smiths, erteilen. Neben der Anschaffung von Spritzen, Hanf und Lederschläuchen, Eimer, Haken, Seile, Leitern, belastete der Bau von Spritzenhäusern den Gemeindeetat erheblich. Zwischen Planung und Bauausführung vergingen viele Jahre.
Meyerich plant Bau des Spritzenhauses
Die Gemeinde Meyerich beauftragte 1845 den Bauconduktor Brunswicker mit den Planungen. Am 5. Januar 1846 waren diese erstellt, doch erst neun Jahre später, am 30. Mai 1855, erfolgte die Ausschreibung mit einem Kostenvoranschlag von rund 169 Talern. Das Spritzenhaus wurde direkt an der Straße Scheidingen – Welver auf dem Hof Pier errichtet und ca. um 1980 abgebrochen.
Welver plant Bau eines Spritzenhauses
Die Gemeinde Welver gab sich mit dem Bau eines Spritzenhauses bescheiden. Beschloss am 2. Februar 1872 ein „kleines Haus“ zu bauen. Nach einjähriger geeigneter Platzsuche beschloss am 21. Mai 1873 die Gemeindevertretung das Spritzenhaus neben dem Bauhof des Ackerers Lohmann zu errichten. Geldmangel, geringe Steuereinkünfte, ein Schuldenstand durch den Wegebau verursacht, keine Kapitalrücklagen und Grundvermögen machten die Gemeinde zu einer der Ärmsten im Amt Schwefe.
Es lähmte das Gemeindewesen im vorigen Jahrhundert. Und so ist es verständlich, dass zur Verbesserung der Feuerlöschgerätschaften, Anschaffung eines Spritzenschlauches und Feuereimer, die Gemeindevertretung am 24. Oktober 1886 die Feuersozietät um einen Vorschuß von 100 Mark bittet, der innerhalb von drei Jahren erstattet werden soll. Die Genehmigung der Kreditaufnahme durch die „hohe Behörde“ sollte der Ehrenamtmann Smiths erwirken. Dürftig erscheinen auch die Unterhaltskosten, die 1889 50 Mark betragen.
Schnelligkeit und Einsatzfähigkeit der Brandwehr wurden auch im vorigen Jahrhundert unter Beweis gestellt. Eine jährliche mehrmalige Brandschau und die Honorierung für schnelles Fahren zu auswärtigen Bränden spornte an. Colon Deppe der die Meyericher Spritze fuhr, erhielt mehrfach eine Fahrprämie von der Feuersozietät.
Schlechte Ausbildung und Ausrüstung verhindern wirksamen Brandschutz
Trotz vieler guter Leistungen, war die Pflicht des Helfers nicht immer wirkungsvoll. Es fehlte an Ausbildung, Können, Organisation, Ausrüstung und auch der vielfach örtliche Wassermangel machte den Brandwehren zu schaffen. Die Brandbekämpfung beschränkte sich meisten im Abbruch von benachbarten Häusern. So machte ein Spottlied die Runde:
„Feuerspritzen hatte man
Zwar, doch keine Schläuche dran.
Heute wär`s zum Grauen
Eh’ der Rumpelkasten kam
Den man Spritze nannte
Und zur Hand das Rohr man nahm
´s zehnte Haus schon brannte.
Dann schrieb man erst einen Brief
Den zum Landrat, der noch schlief,
Man in Eile sandte.“
Umstrukturierung des Feuerlöschwesens
Die Reformierung des Feuerwesens entwickelte sich langsam. 1869 wurde aus der Turnerschaft die Freiwillige Feuerwehr Soest gegründet, Werl folgte 1878. In der heutigen Gemeinde Welver waren es die Ortschaft Schwefe und Borgeln die 1895 einen freiwilligen Feuerwehrverein gründeten. Mit dem Ehrenamtmann des Amtes Schwefe Wilhelm Smiths stand ein Verfechter für die Gründung weiterer freiwilliger Feuerwehren in Verantwortung.